Unfassbar, aber wahr: Дима Билан hat den diesjährigen Eurovision Song Contest gewonnen. Im Jahr 2006 war er schon mal dabei, schaffte es aber nur auf den zweiten Platz. Also hat er sich für dieses Jahr Verstärkung mitgebracht: Evgeni Plushenko, den erfolgreichsten Eiskunstläufer Russlands (und im Grunde auch der Welt) und dessen Lieblingsgeiger Edvin Marton, der seinerseits eine Stradivari mitgebracht hat. Für den Eishampelmann wurde auch extra eine klitzekleine Eisbahn auf die Bühne gestellt, die er sich aber meistens mit Dima und Edvin teilen musste. So fuhr Evgeni um die beiden anderen herum, während er wild gestikulierend die Dramatik der Musik und der dazugehörenden Lyrik unterstrich. Was für ein Spektakel. Man hat sich dabei gefragt, wie sich ein Spitzensportler dazu herablassen kann, mit einem Popmusiker auf der Eisfläche zu stehen und lächerlich auszusehen. Und wer kriegt jetzt gleich Evgenis Hand ins Gesicht geklatscht oder Edvins Bogen ins Auge gedrückt?
Es gab – wie in jedem Jahr – auch noch ein paar Vollkatastrophen. Azerbaidschan zum Beispiel: Ein Haufen halbnackter weiblicher Teufelchen und Engelchen garniert mit zwei Sängern, die sich nicht entscheiden können, ob sie Katzengejammer oder Rülpsen imitieren sollen. Oder die synthetisch wirkenden Teilnehmerinnen aus Polen und Schweden. Hmm…
Naja, über die Punktevergabe gibt es ja schon seit längerem einen Eklat. Nachbarländer geben sich gegenseitig Punkte, die Boulevardpresse redet dabei immer von Osteuropa, auf der iberischen Halbinsel, den britischen Inseln oder Skandinavien sieht es auch nicht anders aus. Die “No Angels” haben ein paar Punkte aus der Schweiz bekommen – wohl eher aus Mitleid – und die Höchstpunktzahl aus Bulgarien. Ähm, ist nicht der rothaarige Hungerhaken mit der Rupfhuhnfrisur aus Bulgarien? Hmm… Also, liebe Bild-Zeitung, die Sympathiepunkte gehen doch klar, oder? Sind doch für unsere deutschen Teilnehmer! Hmpf!
Ich bin ja immer wieder enttäuscht, wenn ich diesen Wettbewerb sehe. Mein Favorit war die Türkei, Mor ve Ötesi haben das Haus gerockt, wahrscheinlich sind es auch die einzigen, die ihr Lied selbst geschrieben haben. Naja, letztes Jahr wurde ja schon das finnische Gitarrengeschrammel zum Europalied, diesmal ist es eben der Russe.
Und seine Landsleute erleben derzeit Höhenflüge. Wir haben das alles im russischen Fernsehen verfolgt, die Sendung wurde unterstützend in russischer Sprache moderiert. Als klar war, dass Dima rechnerisch schon gewonnen hat, haben die beiden (oder waren’s drei?) Moderatoren niemanden außer sich selbst mehr zu Wort kommen lassen: Wir sind die Champions! Wir haben gewonnen! Wir rocken das Haus! Und im Anschluss an die Übertragung aus Belgrad gab es dann eine Sondersendung zum Thema. Ich hab ja nichts verstanden außer “Мы Чемпион! Оле-оле-оле-олееее! Россия! Чемпион!”, Linda sagt aber, dass die Diskussion vor allem darum ging, welche gesellschaftlichen und internationalen Auswirkungen das russische Abräumen in diesem Jahr hat. Wenn ihr mich fragt, ist das ein bisschen hoch gegriffen. Der UEFA-Cup vor ein paar Wochen ist doch nur die Champions League der zweiten Klasse; mit dem Supercup wird’s doch nichts. Und vor ein paar Tagen war ja auch nur der ESC. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die Taste links oben auf der Tastatur die gleiche Aufschrift hat.
Bald beginnt die Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich, vermutlich kommen wir dann wieder alle auf den Boden der Tatsachen zurück.
Ich hab den Eurovision Song Contest nicht gesehen, konnte mir aber schon ausmalen, was mit unseren Castingdamen passieren wird. Keine Überraschung meinerseits.
Es gibt da eine nette Verschwörungstheorie, die besagt, daß der Contest von der EU inszeniert ist: Staaten, die eine Krise überwinden müssen, bekommen ein Trostpflaster in Form eines Grand Prix-Sieges (Letztes Jahr Serbien, damit sie den Verlust des Kosovo besser verschmerzen), während Staaten, die sich lobenswert verhalten haben, dadurch belohnt werden (Ukraine für die Orangene Revolution).
Klingt für mich plausibel.
Was erwartet also Russland? Lob kann das kaum gewesen sein, also befürchte ich eine tränenreiche EM…
Mir ist das ja fast ein bischen unheimlich das “ihr” plötzlich alles gewinnt, kaum das ihr da seid. Da hilft auch kein “2. Klasse”-runterreden!
Ich hab jedenfalls auch ESC geguckt – als ich kurz gegenüber vom Götz Widmann Konzert mit den fünf bekifften Kumpels ne halbe Pizza gefuttert hab
Irgendwas an diesem Satz hat mich stutzen lassen… Hmm, Götz Widmann statt ESC kommt hin. Bekiffte Kumpels nehm’ ich Dir auch ab. Ah, das isses: Halbe Pizza?! Nee, Freundchen, Du isst doch nicht bloß eine halbe Pizza!
nuja, wir hatten uns am nachmittag prengels (für die nichtwestfalen: schnitzel) auf toast gegeben. war also rein der fresskick der nochmal über satt rausgegangen ist