Wenn ich so durch die Straßen gehe, zwingt sich mir oft ein Lied der Hamburger Diskursrockband Tocotronic auf die Lippen: Gehen die Leute. Auch auf breiten, aber besonders auf schmalen Fußwegen trifft man häufig auf Gruppen von Leuten, die nebeneinander exakt die volle Breite des Fußweges ausnutzen. Je größer die Gruppe, desto langsamer das Schritttempo und desto häufiger bleibt sie stehen, um zum Beispiel zu lachen (oder einfach nur Luft zu holen). Es gibt Momente, in denen man denkt, links, rechts oder in der Mitte durchschlüpfen zu können. Es stellt sich dann aber immer heraus, dass diese Lücke entstanden ist, weil ein entgegenkommender Fußgänger ja auch Platz braucht, um vorbeizukommen. Um mit eben diesem nicht zusammenzustoßen, macht man also brav Platz und findet sich anschließend in der gleichen Situation wie vorher wieder. Man könnte auch schnell auf die Straße ausweichen, das allerdings ist nicht ungefährlich.
Es ist wie in den Cartoons der frühen 80er Jahre, in denen der Protagonist (meist der böse, etwas dümmliche) eine Straße überqueren will. Er schaut nach links und rechts, bis zum Horizont ist kein Auto zu sehen. Aber genau in dem Moment, in dem er nun über die Straße geht, kommt ein Auto herangerast und… Naja, kennt ihr alle. Wer in Sankt Petersburg einen Fuß auf die für Autos reservierte (Todes-)Zone setzt, hat selbst Schuld. Selbst Ampeln funktionieren nicht so, wie man es in Hamburg gewohnt ist. Zwar halten die Autos vor der Ampel an, Abbieger scheren sich aber nicht darum, dass Fußgänger gerade grün haben. Sie haben nämlich selbst grün und dürfen also fahren. Auch der Blickkontakt zwischen Fahrer und Fußgänger kommt in den seltensten Fällen zustande, eine Kommunikation wird offensichtlich vermieden. Und wenn der Fahrer doch mal anhält, tut er das im letzten Moment und mit voller Bremskraft. Dann ist es aber zu spät, denn man hat sich schon gekonnt mit einem Hechtsprung in Sicherheit gebracht.
Du weißt doch, es gibt zwei Arten von Fußgängern: Schnelle und überfahrene.
Der natürliche Feind des Fussgängers ist der Taxifahrer.
Ansonsten kenn ich den russischen Verkehr hauptsächlich aus Sicht eines Reisebusses mit einem Polizeiwagen davor, da muss man sich um Kleinigkeiten wie Ampeln nicht so kümmern.
Hallo Kai,
einen schönen Gruß aus dem Schanzenviertel sendet dir ein ehemaliger Kollege.
Da ich ein großer Tocotronic Fan bin, dachte ich, ich schreib hier mal was rein.
Und nochwas: Geh doch bitte am Donnerstag ins Stadion und feuere Zenit an, damit die die bescheuerten Bayern aus dem UEFA-Cup schubsen.
Ach, Du liest auch mit? Ich hab da ja ein gutes Gefühl, was das Spielergebnis angeht
Morgen startet erst der Ticketverkauf im Stadion, ich hoffe, dass ich zwei Karten bekomme.
Nein, ich lese nicht mit, keine Zeit dafür.
Hab nur den Feed abonniert und bin bei Tocotronic heute morgen angesprungen.
Ich drück dir die Daumen, dass du Karten bekommst.
Bis später