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Drei, vier, wohnen Sie hier? Früher als angenommen hat sich die nächste Begegnung mit der Polizei ereignet. Die letzte ist ja schon ein paar Tage her, obschon der Beitrag dazu erst heute veröffentlicht wurde. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde sie dann auch gleich getoppt.

Ich war mal wieder auf dem Heimweg vom “Fidel”, einem Club/Bar/Diskothek in der Nähe. Eigentlich hätte ich gar nicht hingehen sollen, am Samstag wollten wir nämlich nach Schlüsselburg. Aber dann war ich doch in der Stimmung noch etwas zu trinken und laute Musik zu hören. Gegen drei Uhr bin ich dann also volltrunken etwas angeheitert nach Hause gegangen und war froh, endlich in unsere Hofeinfahrt einzubiegen. Das Gefühl sollte sich aber schnell ändern, denn als hätten sie auf mich gewartet, standen dort drei Polizisten, die mal wieder meinen Ausweis kontrollieren wollten. Gefilzt haben sie mich auch wieder und wo ich denn wohne, wollten sie auch wissen. Здесь halt.

Mit meinem Alkoholpegel war ich wohl ein gefundenes Fressen. Ich war wieder froh, als sie mich denn ziehen ließen, bin ins Bett gefallen und habe am nächsten Tag festgestellt, dass einige Dinge, die sich in meinen Taschen befanden, beschlagnahmt wurden. Und zwar sämtliche Scheine aus meinem Portemonnaie - nicht weiter schlimm, umgerechnet waren es etwa 15 Euro. Was aber viel schmerzhafter ist: Mein Mobiltelefon ist auch nicht mehr da. Mitsamt SIM-Karte, allen Telefonnummen und dem betrügerischen Backgammon-Spiel, das auf dem Telefon installiert war.

Vor allem Russen haben mir später erzählt, dass nicht sicher ist, ob es tatsächlich Polizisten waren, offenbar kann man sich hier auch einfach eine Uniform kaufen und sich als Ordnungshüter ausgeben. Aber dass es die Polizei war, konnten sie auch nicht ausschließen. Wie schon im Reiseführer über Molvanien beschrieben: Wenn Sie merken, dass Ihr Pass gestohlen wurden, wenden Sie sich sofort an den nächsten Polizeibeamten, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass eben dieser Ihren Pass hat.

Fünf, sechs, Handy weg!

Rassismus, Teil 2

Um niemanden zu beunruhigen, erstmal vorweg: Wir wurden nicht verhauen.

Vor ein paar Tagen waren wir wieder an diesem traumhaften Strand in Repino und haben im strömenden Regen gegrillt. Linda hat’s richtig gemacht und ist mit ein paar anderen irgendwann abgehauen, ich war aber der Meinung, es sei gar nicht so schlimm, außerdem wollte ich ja auch noch was essen und trinken, also blieb ich noch ein bisschen. Die Runde bestand diesmal überwiegend aus Russen, die verwendete Sprache ging aber mit zunehmender Dauer und Durchnässung in Englisch und Deutsch über. Alles war lustig, trotz des  anhaltenden Regens, irgendwann wurde es uns aber auch zu bunt.

Wir sind also zum Bahnhof gegangen, um mit der elektrischen Eisenbahn wieder in die Stadt zu fahren. Und auf dem Weg kam plötzlich dieses Gesprächsthema auf:

“Die Leute aus dem Süden (Georgier, Kasachen, Kirgisen und andere, Anm. d. Verf.) sind schlechte Menschen. Sie betrügen, f***** unsere Frauen und wollen nicht arbeiten.” Ein Thema für mich, also frage ich frei heraus, ob er eigentlich Rassist ist. “Nein!”, sagt er. Diese Aussagen seien nicht rassistisch, alle Russen würden das denken. Alle Russen denken also, dass alle “Leute aus dem Süden” betrügen, nicht arbeiten und das mit den Frauen. Also mir und euch kommen diese Argumente doch bekannt vor, oder? Und woher? Na klar, Dokumentationen über Mitglieder nationalistischer Vereinigungen - wenn nicht sogar Gespräche mit selbigen. Im Laufe des Gesprächs konnte ich den jungen Studenten noch auf eine Aussage wie “einige Russen finden, dass einige Leute aus dem Süden” usw. herunterhandeln.

Es gab dann aber eine Situation kurz bevor wir am Bahnhof angekommen sind, in der ich die Fassung verlor und das Gespräch einfach patzig abbrach. Ich zitiere wieder: “People in muselmanic countries are bad people, too!” Die ließen nämlich nicht zu, dass Frauen und Männer im Café am gleichen Tisch sitzen. Auf die Frage, in welchen Ländern das denn so sei, kam die Antwort “Na, alle! Türkei, Iran, und so!” Ob er denn mal in einem dieser Länder gewesen sei? “Muselmanic Country?! Noooo!”

Ich möchte ja nicht die nächsten Vorurteile in die Welt streuen, ich habe aber den Eindruck, dass das Problem des Rassismus in Russland tiefe Wurzeln hat. Als Sieger über Nazi-Deutschland hat man den Titel des Antifaschisten quasi abonniert. Man merkt offenbar nicht, wenn man ein Rassist ist. Auch unsere Russisch-Lehrerin hat schon diverse Kommentare über die “Überfremdung” in russischen Großstädten fallen lassen. Und dann gibt es einen Haufen Berichte über Dunkelhaarige, die einfach öfter von der Polizei nach ihren Papieren gefragt werden. Die öfter unter fadenscheinigen Begründungen Bußgelder zahlen. Die öfter Opfer gewalttätiger Übergriffe werden. Und die nach diesen gewalttätigen Übergriffen sehr dürftig ärztlich behandelt werden - wenn überhaupt.

Artikel in der FAZ

Eins, zwei, Polizei

Zu vorgerückter Stunde in Clubs häufig noch zu hören, dieser unterbelichtete elektronisch vertonte Kinderreim. Davon wollte ich aber gar nicht erzählen.

Sondern von meiner ersten direkten Begegnung mit zwei Exemplaren des russischen Ordnungshüters. In den frühen Morgenstunden bin ich allein nach Hause gegangen, als mich in der Nähe der Stelle, an der mir eins übergebraten wurde, zwei Polizisten ansprechen und nach meinem Ausweis fragen. Den fische ich also aus meiner Tasche, währenddessen fragen sie auch gleich weiter, ob ich Drogen dabei hätte. Natürlich verneine ich. Die beiden glauben mir nicht, also werde ich gefilzt. Abtasten, sämtliche Taschen durchwühlen, auch im Portemonnaie wird nachgesehen. Keine Drogen, kein Problem. Ich darf weitergehen, einer der beiden lässt sich aber noch zu einer unterwürfigen Geste hinreißen. Warum, habe ich bis heute nicht verstanden. Ich weiß nicht mal, ob er sich einfach über mich lustig machen wollte.

Man hört ja diese Schauergeschichten von Polizisten, die einen ausrauben. Ich kann gar nicht sagen, ob es stimmt, Vermute aber, dass sie auch zwischen den Geldscheinen nach Rauschmitteln gesucht haben, um abschätzen zu können, ob es sich lohnt. Es hätte sich nicht gelohnt, mit den ganzen Münzen waren wohl rund 50 Rubel drin. Dafür kriegt man ja nicht mal zwei Bier.

Ich habe schon vorher mit einigen (ausländischen) Leuten über das Thema gesprochen und man ist sich darüber einig, dass vor allem Verkehrspolizisten Fahrzeuge anhalten, um sich das mickrige Gehalt aufzubessern. Irgendeinen fadenscheinigen Grund wird es schon geben, ein Bußgeld zu erheben.

Also, Sheriff, bis zum nächsten Mal!

Bissiger Hund

Habt ihr schon mal einen Dackel mit einem Maulkorb gesehen? Wir schon! Heute im Supermarkt stand so ein kleiner trauriger Kurzhaardackel mit einer schicken Gebisssperre aus Leder. Wir hätten gern ein Foto gemacht, sicher glaubt uns das niemand.

Ich dachte immer, dass man einfach beiläufig drauftritt, wenn man von einem Dackel gebissen wird…

Auf die Birne

Vorgestern sind ich und Jan Opfer eines rassistischen Übergriffs geworden. Ich kann’s auch nicht fassen, aber so ist es. In den frühen Morgenstunden waren wir mit Lisa unterwegs nach Hause, als wir an zwei Leuten vorbeigingen, die ich erstmal gar nicht registriert habe. Später haben Jan und Lisa erzählt, dass die sowas wie “Oh, guck mal, das sind Deutsche!” gesagt haben. Die sind uns dann auch gleich hinterher gegangen, und Lisa wollte schneller gehen, weil sie keinen Bock auf die Typen hatte. Kurz vorher wurden wir schon mal von jemandem angesprochen, der unbedingt mitkommen wollte. Natürlich mit Lisa, nicht mit uns Hängeschulterschlaksen.

Plötzlich kriege ich einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf und taumele nach vorne. Ich drehe mich um und sehe diesen Typen - in Abendgarderobe, so zwischen Anfang und Mitte Zwanzig. Völlig perplex stehe ich da und glotze den an, als er sich umdreht und wegrennt. An mir vorbei huscht der zweite und sie sprinten um die nächste Straßenecke. Ich drehe mich wieder um und sehe, wie Jan gerade aufsteht, ihn hat es nämlich zu Boden geworfen. Ungünstigerweise ist er auch noch auf den Hinterkopf geknallt und im Weitergehen stellt sich raus, dass er sich plötzlich an nichts erinnern kann. Weder was er den ganzen Tag gemacht hat, noch welcher Tag überhaupt ist. Weder wo die Bar ist, in der wir uns die halbe Nacht herumgetrieben haben, noch wo ich wohne. Der Arme war ganz verzweifelt.

Wir sind erstmal zu mir nach Hause gegangen, Platzwunden hatten wir zum Glück beide nicht. Aber ich hatte eine Riesenbeule, vermutlich wurde ich mit irgendeinem Gegenstand geschlagen. Weil Jan sich die ganze Zeit nicht beruhigen konnte, und seinen Gedächtnisverlust beklagt hat, haben wir einen Notarzt angerufen, der auch innerhalb weniger Minuten zur Stelle war. Er hat aber nur empfohlen, den Kopf zu kühlen, flach zu liegen, etwas Süßes zu essen, um das Hirn anzuregen und am nächsten Tag möglichst nichts Alkoholisches zu trinken. Notärzte gehören offenbar zum Service, eine Rechnung dafür wird’s nämlich nicht geben. Naja, mir geht’s gut, hab noch ein bisschen Aua am Kopf, aber das vergeht auch wieder. Am nächsten Morgen ging’s dann auch wieder mit Jans Erinnerungsvermögen, was aber blieb, ist die allumfassende Frage: Warum?

Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal jemand angegriffen hat, aber es muss wohl noch in diesem Provinznest gewesen sein, in dem ich so lange gelebt habe. Die beiden wollten weder unser Geld, noch unsere Telefone. Sie wollten uns auch nicht zu Brei schlagen, sondern einfach nur jeder einen Schlag landen und dann schnell weglaufen. Auch die Tatsache, dass sie uns beiden blitzschnell von hinten eins übergebraten haben, spricht dafür, dass sie auf eine Konfrontation eigentlich nicht aus waren. Wirklich, ein Sinn steckt wohl nicht dahinter.

Sollte Russland heute gegen Spanien gewinnen und damit Deutschland im Finale gegenüberstehen, gehe ich nicht aus dem Haus. Das Prinzip der Aggressionsverschiebung ist ja sehr verbreitet…

Mannmannmann!

Das wird jetzt der hundertste “Nur-so-am-Rande”-Eintrag . Es tut mir auch wirklich leid. Es ist so, dass es hier superchaotisch ist, meistens mehr als weniger, und dann kommen immer so ein paar Tage, an denen passiert irgendwie gar nichts. Über die vollen Tage kann ich immer nichts schreiben, weil ich so beschäftigt bin, an den drögen nachfolgenden bin ich irgendwie so leer im Hirn, dass mir immer nur irgendwelche…zusammenfassenden Überschriften einfallen. Die treffen es dann aber ganz gut, wirklich.

Jedenfalls! Ich wollte euch zwei Lesetipps geben. Erstens ein Buch von Juli Zeh, das heißt “Die Stille ist ein Geräusch”, ich setze jetzt mal keinen Link, könnt ihr ja selbst googeln, oder?

Das Buch handelt davon, dass Juli Zeh mitsamt ihrem Hund nach Bosnien fährt. Es ist aber kein Reisebericht im eigentlichen Sinne, sondern eine Art Collage aus Eindrücken. Manche Gedanken sind schon gut nachvollziehbar, andere weniger. Oder hat jemand eine Idee, was es mit folgendem Satz auf sich hat: “Straße und Bus sind erfinderisch wie die Zahl Pi persönlich.” S. 23.

Außerdem kann ich es mir kaum verkneifen, doch noch einen Artikel zu verlinken. Hier geht es um einen Typen, der offensichtlich keine Lust hatte, die nächsten 20 Jahre seines Lebens im Gefängnis zu verbringen und sich dachte, Mensch, fake ich doch meinen eigenen Selbstmord, der Rest ergibt sich dann. Über den Morgen, als der nun Verschwundene also verschwand, sagt seine Freundin, dass er einen deprimierten Eindruck machte, weil er so lange ins Gefängnis musste. Sonst sei aber alles wie immer gewesen.

Is klar. Всё нормально!

Давай!

Dawai - der Russe verwandelt sich beim Ansehen eines Fußballspiels in eine Давай-shouting-machine. Wenn er ob des überdurchschnittlichen Alkoholpegels zu nichts Anderem mehr in der Lage ist, “Давай” geht ihm noch über die Lippen. Dafür muss der Ball nur die Mittellinie des Fußballfeldes in Richtung des gegnerischen Tores überqueren. Je öfter er das tut, desto kratziger klingt es. Ich bin immer drauf und dran, “damoi” (nach Hause) dazwischen zu brüllen, konnte mir das in der tobenden Menge aber bisher immer verkneifen.

Mann soll es nicht für möglich halten. Manch einer hat die Holländer schon mit dem Pokal in der Hand gesehen. Jedes Vorrundenspiel hat das orange Team souverän und mit nur einem Gegentor gewonnen. Und jetzt scheiterten sie am russischen Team, von dem auch schon gesagt wurde, es würde in der Vorrunde ausscheiden. Beim 1:0 habe ich schon geschluckt - und aufgeatmet, als die Holländer glücklich ausgeglichen haben. Dann in der Nachspielzeit: “Verlängerung, es wird wohl durch ein Elfmetersch…” - “Давай, Давай! Даaaaaaaa!!!!” - 1:2. Und die Fans hatten sich noch nicht wieder beruhigt, die meisten standen immer noch auf ihren Stühlen, da kam schon der nächste Grund zur Freude. 1:3. Also freuen wir uns halt mit.

Am Donnerstag geht’s gegen eine südeuropäische Mannschaft, mal sehen, wie sich die Russen im Halbfinale machen.

Shakespeare

I do repent; but heaven hath pleas’d it so
To punish me with this, and this with me,
That I must be their scourge and minister.
I will bestow him, and will answer well
The death I gave him. So again good night.
I must be cruel only to be kind.
This bad begins and worse remains behind.

Apparently Hamlet, Act 3, scene 4.

O-kay!

*идёт дождь*

Teppichmesser?!

Bin bei der Arbeit, also nur kurz: es gibt News aus Moldawien .

Afterparty

Eben waren wir auf einer kleinen Party bei unseren Vermietern. Die sind um die 30, ein Architekt und eine Literaturagentin. Wir mögen die ganz gerne, hatten bisher aber nicht so viel mit ihnen zu tun. Sind ganz knuffig, Maksim redet halt fast nur über Architektur und entschuldigt sich ständig dafür, Natascha hat sich mit einer Freundin selbstständig gemacht und mischt nun mit ihr den russischen Literaturmarkt auf. So stelle ich mir das vor, genau weiß ich es nicht. ;)

Na ja. Vielleicht mal mehr dazu. Im Moment wollte ich nur mal schnell ein bisschen Musik empfehlen. Letztens waren wir auf einem Konzert und haben uns die Leute mal angehört, war etwas schräg, weil gleichzeitig so ein Preis für eine Autorally verliehen wurde. Keine Ahnung.

Jedenfalls: Чайф - Оранжевое настроение

Hört’s euch mal an. Kai findet die Musik nicht so super, wenn ich das bei dem Konzert richtig verstanden habe :) Stimmt schon, man muss etwas selektieren, aber das ein oder andere ist schon dabei.

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