„Sie sind leider zehn Minuten zu spät für unsere Kulanzregelung. Das macht dann 179 Euro! Ja, tut uns auch immer leid“, sagte der nette Angestellte von Air Berlin zu mir, als er mir das Ersatzticket ausstellte. Das glaube ich Ihnen doch aufs Wort, habe ich mir gedacht. Andererseits, hätte ich den Flug nicht verpasst, gäbe es jetzt auch keine Fotos. Die habe ich nämlich alle erst in den letzten zwei Tagen geschossen.
auf dem Markt
Kennedy Museum
Becher aus dem US-Wahlkampf 1960
Besuch JFKs 1963 in West-Berlin. Wie man sieht, hat die DDR vorsichtshalber das Brandenburger Tor verhängt. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Friedrichstraße
„Die Leute wissen heute gar nicht mehr, wo die Mauer früher stand“, sagte ein Taxifahrer zu mir. Ich hab sie später wiedergefunden – in der Taschenabteilung eines Luxuskaufhauses in der Friedrichstraße. Sieht so aus, dass das alte Gemäuer heute als Lifestyle-Artikel durchgeht.
Wir kommen wohl rüber wie die letzten Schnarchnasen des Planeten, lol:
„Nothing — not the 20th anniversary of the fall of the Wall, not the faltering direction of the European Union (once a German obsession, now a sideshow), not financial Armageddon — seems able to stir Germans from contemplation of their navels. This is bad for Europe. The world wanted a boring Germany for a while, but not to this degree, and anyway that time has passed.“
Artikel über den Wahlkampf in Srednjaja Achtuba (Средняя Ахтуба), wo sich ein ganz cleverer PR-Berater der Kreml-Partei dachte, shit, wie schaffen wir es, die obligatorischen Protestwähler der Region so weit einzulullen, dass sie unseren eigenen Kandidaten nicht gefährden? Und schwupps, da lief ihm einer über den Weg, der wie geschaffen für den Job war: sein schwarzer Gemüsehändler.
Als der als unabhängiger Kandidat antrat, waren die Leute aber auf einmal ein bisschen zu begeistert von ihm, denn er machte seine Sache gut. Also kam Obama 2 ins Multikulti-Verwirr-Spiel. Der soll jetzt auf politisch korrekte Weise, sozusagen von schwarz zu schwarz, zeigen, wie unfähig Obama 1 in Wirklichkeit ist.
Kaum jemandem kann es entgangen sein: Am 27. September kann jeder Bundesbürger wieder einmal versuchen, Einfluss auf das politische Geschehen in Deutschland zu nehmen. Die Sonntagsfrage, die von diversen Marktforschungsunternehmen gestellt wird, ist ja immer mit Vorsicht zu genießen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Umfrageergebnisse manchmal nicht so zustande kommen, wie man sich das vorstellt. Da hocken mitunter „Interviewer“ in kleinen Büros und füllen die Befragungsbögen mehr oder weniger plausibel aus; auf der Straße sind sie nur vor und nach dem Ausfüllen der Bögen. Die Befragten sind nur imaginär. Zudem ist eine Erhebung von um die 1000 Meinungen auch nur bedingt aussagekräftig.
So ganz daneben liegen die Umfragen im Vorfeld der Wahlen aber dann doch nicht. Momentan stehen die Zeichen offenbar auf Schwarz-Gelb. Die Bürger haben nach acht Jahren Rot-Grün und vier Jahren Schwarz-Rot die SPD wohl mal wieder satt und wollen einen Wechsel, es soll sich etwas ändern. Ob nun gerade ein solches Parteienbündnis den Anspruch auf Veränderung erfüllen kann ist eine andere Frage. Wie es aussieht, will der Wähler die gegen die Wand gefahrene Volks-/Weltwirtschaft in die Hände der Liberalen und Konservativen legen. Die Union steht seit Jahrzehnten für eine stabile Wirtschaft, die Liberalen lassen selbiger alle Freiheiten. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber sind nicht gerade diese Grundsätze für die aktuelle Krise verantwortlich zu machen? Wenn wir alle Macht der Wirtschaft geben und auf jegliche Kontrollorgane der sozialen Marktwirtschaft verzichten, wächst die Wirtschaft vielleicht schneller – aber wohin?
Wenn man das Schwarze mal gegen’s Licht hält, schimmert es an einigen Stellen auch braun durch. In Hessen, Baden-Württemberg und jüngst in Nordrhein-Westfalen lassen die führenden Köpfe der Unionsparteien versehentlich einen Blick in ihr rassistisches und/oder faschistisches Gedankengut zu – und beschwichtigen dann ganz schnell wieder. Aber offenbar wird das – wenn überhaupt wahrgenommen – ganz schnell wieder vergessen. Während eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen wird, duldet man Rechtsextremes in einer der großen Volksparteien. Nicht, dass ich eine Regierungsbeteiligung der zusammengewürfelten Linksliste aus Selbstdarstellern und Traumtänzern befürworte. Aber die Unionsparteien halte ich vor einem weiteren Generationswechsel (und womöglich auch danach) ungeachtet der politischen Gesinnung für unwählbar.
Ich gebe zu, die Parteienlandschaft gibt im Moment nicht allzu viel an Persönlichkeiten her. Wir haben keinen Visionär, der durch seine Kanzlerkandidatur zum Popstar wird. Aber es geht ja nicht um die Köpfe, sondern um die Programme. Für Leute, die unentschlossen sind, vielleicht ein Linktip: die aktuelle Ausgabe des Wahl-O-Mat. Hauptsache, ihr geht hin und wählt aus Protest nicht eine Kleinstpartei und damit in den Papierkorb. Zum Protestieren gibt es in modernen Demokratien nämlich andere direktere und aussägekräftigere Mittel.
Familie, Liebe, Subkultur, Musik, Mode, Medien, Drogen, Schule, Zukunft, Sport, Migration, okay, Sex. Keine Ahnung, was noch, ist sowieso alles schlimm mit der Jugend von heute – und das schon seit immer. Und jetzt gibt eine frische Literaturliste zu diesem Thema, mit einem hippen, neuen Text, der das Thema von einer ganz neuen, ganz jugendlichen Seite beleuchten wird. Und Hausaufgaben hab ich auch nicht gemacht. День знаний.
Russland und die Ukraine verstehen sich ja auch nicht mehr so gut in letzter Zeit! Wobei unser Russischlehrer gerade in Odessa war und meinte, dort sei die Stimmung ganz entspannt, keiner verfolge den ganzen Medienhype so richtig und alle seien – abgesehen von der einen oder anderen Entlassung wg. Wirtschaftskrise – relativ ungestört in Strandlaune. Das glaube ich auch irgendwie, in Odessa läuft ja sowieso noch mal ein ganz anderer Film, als in der restlichen Ukraine. Aber in Sevastopol wohl auch. Fragt sich, welcher im Endeffekt mehr Zuschauer in die Kinos lockt, haha. Nein, über sowas sollte man keine Witze machen!
Das hier habe ich gerade im Intranet gefunden, guckt man ja auch ab und zu mal rein. Und ich muss sagen, Hut ab, kommt ja auch nicht alle Tage vor. Ein super Fotoprojekt mit Kindern und Jugendlichen aus Serbien und dem Kosovo, die als Flüchtlinge in Deutschland gelebt haben und jetzt zurück in ihren „Heimat“ländern sind. Ich will gar nicht so viel sagen, habe selber erst fünf Minuten gestöbert. Aber das sieht super aus und trifft es glaube ich ziemlich gut alles. Freut mich, dass „wir“ so ein authentisches Projekt machen. Guckt euch das ruhig mal an!